Muffingeschichte

Hier ist, worauf alle gewartet haben:

Die vierzehnte Muffingeschichte

von unserem Starautor Strunzheinz

Kennengelernt habe ich Kai auf Sabine und Thomas´ Picknik zur Feier ihrer fünfjährigen glücklichen Beziehung. Eigentlich hatte ich nach Sabines telefonischer Einladung gar nicht kommen wollen: „Natürlich kannst Du gerne Deinen Freund auch mitbringen“, hatte sie süffisant betont und dabei genau gewußt, dass ich mich momentan – wie die meiste Zeit meines Lebens mal wieder eines mehr oder minder glücklichen Singlelebens erfreute. Meine letzte und mit dreieinhalb Monate auch die längste Beziehung- die mit Marc- lag zu der Zeit zwei Monate zurück. Mit Marc hatte ich Schluß machen müssen, weil er auf meiner Geburtstagskarte meinen Namen falsch geschrieben hatte. Seinem Vorgänger Phillip hatte ich  ebenso den Laufpass gegeben, ich konnte seine Vorliebe für orangerote  Schlafanzüge nicht ertragen. Und auch mit Jakobs Unart, das vom Abwasch noch nasse, frisch gespülte Geschirr auf die Waschmaschine zu stellen, hatte ich mich nicht auf Dauer arrangieren wollen.

Die Aussicht jedenfalls ein Picknick mit lauter glücklichen Pärchen zu erleben, sprach mich nicht gerade an. Nur mit viel Überwindung ging ich also hin. Natürlich bestätigten sich alle meine Vorahnungen. Ich fing mir Dutzende von bemitleidenden Blicken ein und allen meinen Gesprächspartnern stand jene unausgesprochene Frage auf dem Gesicht geschrieben, die ich so verabscheute: „Und warum klappt es bei Dir eigentlich nicht mit den Männern?“ Um derlei peinliche Unterhaltungen zu verhindern, stopfte ich mir dauernd diverse Speisen in den Mund, so konnte jedenfalls niemand von mir verlangen, mit ihm über unliebsame Themen zu reden. Während ich gerade den letzten Bissen dessen, was einmal ein Blätterteig-Schinken-Käse-Hörnchen gewesen sein könnte, verdrückte und beobachtete, wie Anja und Frank, die schon seit der Oberstufe „miteinander gingen“ sich gegenseitig mit Erdbeeren fütterten, wobei sie natürlich heftig turtelten, hörte ich auf einmal eine Stimme zu mir sprechen: „ Einen Muffin zum Probieren. Die habe ich selbst gebacken“. Wortlos griff ich in die mir gereichte Dose, sicherte mir einen Muffin und grub meine Zähne hinein.

Was für ein unvergleichlicher Geschmack, so leicht, locker, nussig, nicht zu süss, alles von zartschmelzender Milchschokolade umhüllt. Ein Gedicht! Zum Abheben! Erst jetzt betrachtete ich  den Künstler näher, der ein solches Werk vollbracht hatte. In diesem Augenblick wußte ich, dass es nie wieder einen anderen Mann für mich geben würde. Diese sanften brauenen Augen, der sinnliche Mund, der durchtrainierte Körper, die muskulösen Arme, diese schlanken Hände..... diese Muffins! Den ganzen Tag hing ich nur noch an seinen Lippen, ließ ihn nicht mehr aus den Augen, merkte mir jedes Wort das er sprach. Und das Schönste kam noch Kai, so hieß das Musterexemplar, interessierte sich sogar für mich. Wir tauschten Telefonnummern aus und gleich am nächsten Tag, also Montag rief er mich, um mich  für Samstag zu sich zum Essen einzuladen. Er machte es mir also sogar leicht, mich an Regel Nr 3 aus meiner Anleitung „So finden sie den Mann fürs Leben“ zu halten – Nehmen Sie nach Mittwoch keine Verabredeung mehr für Samstag an. Es war alles zu perfekt! Zu schön, um wahr zu sein!

Die Tage bis Samstag verbrachte ich damit,von ihm und seinen Muffinsen.

Jetzt stehe ich vor seiner Tür, habe meine vorteilhaftesten Klamotten an- die Auswahl hat mich immerhin drei Stunden gekostet, ich habe deswegen sogar  meine Lieblingsserie verpasst-  und traue mich gar nicht zu klingeln aus Angst, dieses Glück mit irgendeiner dummen Bemerkung zerstören zu können. Schließlich fasse ich mir ein Herz. Kai öffnet mir die Tür. Er sieht gigantisch aus, noch schöner als in meinen Träumen. Nachdem er mir aus der Jacke geholfen hat , führt er mich ins Esszimmer zu einem wunderbar gedeckten Tisch. Er schiebt mir den Stuhl zurecht, ich setze mich und warte, während er das Essen hereinträgt: „ Ich habe mir erlaubt, dass Essen bei meinem Lieblingsitaliener zu bestellen“ verkündet er. „Ich wollte einfach, dass bei unserem ersten Date alles perfekt wird“. Wir essen, es schmeckt toll, aber irgendwas beunruhigt mich, doch ich weiß nicht was.  Kai redet pausenlos, er erzählt von seiner Arbeit als Filiallleiter einer Bank, seiner Mutter, die für ihr Leben gerne kocht und bäckt und seiner Leidenschaft für Chagallbilder. Nach dem Essen folge ich Kai ins Wohnzimmer, wir nehmen auf dem Sofa Platz.. Er drückt mir ein Glas mit Rotwein in die Hand. Plötzlich weiß ich, was mich die ganze Zeit gestört hat. „Kai?“ frage ich. „Darf ich Dich mal was fragen?“. „Ja, alles“ flüstert er und nimmt mir das Rotweinglas aus der Hand, um es auf den Couchtisch zu stellen. Er rückt näher an mich heran, schaut mir dabei unaufhörlich in die Augen, streichelt langsam meine Arme..... „Kai, hast Du eigentlich die Muffins vom Picknick wirklich selbst gemacht?“ „Welche Muffins? Ach so die Muffins..Nein, die hatte mein Mutter gebacken, hatte das Rezept von irgendeiner Internetseite muffinburse oder so ähnlich. Ich wollte dich nur beeindrucken, Du hast mir gleich gefallen. Nur deswegen habe ich behauptet, sie selbst gemacht zu haben. Aber was spielt das jetzt noch für ein Rolle?“. Er beugt sich über mich, betrachtet mich liebevoll, streckt seine Lippen nach vorne und macht Anstalten mich zu küssen Wie konnte ich diese widerlichen Glupschaugen jemals als schön empfinden? Welcher Teufel hatte mich geritten, diese Lippen „sinnlich“ zu nennen. Ich reiße mich von ihm los und wanke in Richtung Tür. „Die größte“ murmele ich. „ Die größte“

 

 

 

Appetit bekommen? Wir haben ihn exklusiv: den Muffin zur Geschichte

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