Das Knackwurstkostüm

Hier ist, worauf alle gewartet haben:

Die siebte Muffingeschichte von unserem Starautor Strunzheinz

Es hätte so eine erholsame Woche werden können. Semesterferien, strahlender Sonnenschein, zwitschernde Vögel, keine Verpflichtungen, keine Arbeit..........nur faul sein!!!!

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Schuld an allem war schließlich nur meine Unfähigkeit, Dinge so zu verstecken, dass sie am Ende keiner mehr findet. Das gelingt mir leider nur unfreiwillig bei Sachen,  die  wirklich gebraucht werden wie etwa bei meinem Personalausweis oder  meinem Führerschein, nicht aber bei unwichtigen Werbeprospekten, die doch eigentlich nur Bedürfnisse wecken, die man unter normalen Umständen gar nicht hätte.

 Leider, leider also hatte ich also das aktuelle Aldiprospekt nicht gut genug unter den übrigen Zeitungen verbergen können, so dass es meine Mutter sonntags auf Anhieb ohne Hilfe fand. „Strunzheinz!“ befahl sie, „diese Woche gibt es Stretchhosen. Du hast nichts zu tun, also fährst Du morgen pünktlich um neun Uhr los und besorgst für mich zwei Stück in Größe 40. Vielleicht kommt ja Deine Schwester  auch mit!“ Den ganzen Nachmittag war ich schlecht gelaunt, mir war nicht entgangen, dass auch schicke Kinderfreizeitanzüge zu den Angeboten der nächsten Woche zählten und was das bedeutete konnte ich mir dank meiner jahrelangen Erfahrung als Aldikundin nur allzu gut ausmalen. Glücklicherweise musste ich meine Schwester nicht lange bitten, mich zu begleiten.

Sie wollte bei der Gelegenheit noch gleich Erdbeeren für den Erdbeer-Muffin besorgen. So hat doch ihre Muffinsucht wenigstens manchmal auch gute Seiten.

Die ganze Nacht plagten mich schrecklich Alpträume, deshalb schlief ich sehr unruhig. Im Traum war ich einen Wühltisch mit Polyesterherrenhemden gefallen, ich versuchte  herauszuklettern, doch ständig drückten mich Tausende von Händen immer wieder zurück. Schweißgebadet wachte ich schließlich auf, als mich meine Schwester mit einem barschen „Strunzheinz aufstehen!“ anschrie. Ich  flehte sie an, mir den gemeinsamen Einkauf zu ersparen und  alleine zu gehen, doch sie wie immer hatte kein Erbarmen. Weder mein Argument, an Klaustrophobie zu leiden noch meine Beteuerungen, ich sei   schrecklich krank und schwach ließ sie gelten. Gnädigerweise gewährte sie mir noch ein Stärkungsfrühstück, das ich leider jedoch nicht ausgiebig genießen konnte, weil mein Schwesterherz mich zur übermäßigen Eile drängte.

So fuhren wir also los. Schon von weitem konnte ich die Autoschlangen vor dem Aldimarkt sehen. Natürlich gab es keinen Parkplatz mehr für uns, so dass meine Schwester das  Auto einfach direkt vor einen grünen Mercedes C stellte. „Wer so viel Geld für ein Auto ausgeben kann, kann auch ein paar Minuten warten, bis wir fertig eingekauft haben“ bemerkte sie trocken. Die Frau, der das Auto gehörte, leuchtete diese Erklärung seltsamerweise nicht ein.

Drinnen im Laden standen ungefähr hundert aufgebrachte Hausfrauen um einen Wühltisch, dessen Inhalt ich nur vermuten konnte. Fünf davon zogen an einer grellila Kinderhose, die zu einem schicken Zweiteiler gehörte. Jede behauptete lauthals, sie zuerst gefunden zu haben und deshalb auch alleiniges Anrecht auf den ganzen Anzug  zu haben. „Lisa steht lila doch einfach viel besser als  Deinem Mischael, das beißt sich doch mit seinen unmöglichen roten Haaren“ versuchte eine Frau ihre Konkurrentin zu überzogen, das brachte ihr einen Kinnhaken ein, der sie außer Gefecht setzte. Mischaels Mutter gewann schließlich den Anzug, weil sie den anderen Frauen ein paar Judogriffe demonstrierte.

Wir drängten uns zur Gaderobenstange mit den Stretchhosen. Dort erwartete uns ein korpulenter Mann, der gerade mit seiner Frau am Handy telefonierte: „Heidi! Isch hab hier  drei in 44 und drei in 42 ! Isch hab des jetzt ma so verglische! Die gebbe sich aschentlich nix. Soll ich se all nehme?“

„Nimm sie alle und mach Platz Du fetter Ochse!“ zischte meine Schwester. „Isch habs gehört!“

schrie dieser wutentbrannt und fuhr mir seinen Einkaufswagen voll in den Rücken. Eigentlich hatte er es wohl auf meine charmante Schwester abgesehen, aber da er bemerkte,  dass wir zusammengehörten, gab er sich auch mit mir als Opfer zufrieden. Nachdem er mich empfindlich verletzt hatte, reihte er sich an die Schlange hinter der Kasse ein.

Wir begannen endlich nach Hosen in unseren Größen zu suchen. Ich hatte spontan beschlossen, mir auch eine davon zu leisten. Soviel zum Thema Bedürfnisse, die man eigentlich nicht hat.................................

Die Aufträge meiner Mutter waren schnell erledigt und ich fand ebenso ein Modell, das mir auf der dazugehörigen Abbildung sehr gut gefiel.

Meine Schwester hatte weniger Glück: „ Keine einzige in 36!“ jammerte sie. Das darauffolgende Grinsen einer gertenschlanken Kundin mit langen, rotlackierten Fingernägeln  machte sie misstrauisch. Und tatsächlich, die Frau hatte in ihrem Wagen zehn 36er Hosen gebunkert . Wir stellten uns hinter die Frau an der Kasse an. Meine Schwester war nicht geneigt, kampflos aufzugeben. Nach ihrem Plan, sollte ich der Frau mit dem Wagen in die Füße fahren, diese sollte sich umdrehen, um mit mir zu streiten, während meine Schwester ihre Wunschhose aus dem fremden Einkaufswagen ziehen wollte. Der Plan  gelang, hatte jedoch ein blaues Schienbein für mich zur Folge, weil unsere Gegenspielerin die physische der verbalen Gewalt vorzog.

Dasselbe galt übrigens für die Besitzerin des grünen Mercedes, den wir eingeparkt hatten. An diesem Tag schien ich als Opfer wohl geradezu prädestiniert.

Daheim angekommen, stellten  wir nicht nur fest, dass meine frisch erworbene Hose eher einem Knackwurstkostüm als ihrer ursprünglichen Bestimmung glich, was wohl nicht  zuletzt an meinen zahlreichen angeschwollen Körperteilen gelegen haben dürfte....

Auch dass wir  total vergessen hatten, die Muffinzutaten mitzunehmen, wurde uns  erst zu Hause klar.

„Strunzheinz,!“ herrschte meine Schwester „ Wir fahren gleich noch mal los und holen sie“ . Das war das letzte was ich hörte, dann wurde mir langsam schwarz vor den Augen.....................

 

Sagt doch dem Strunzheinz mal die Meinung zu dieser Geschichte:

Welche Geschichte hast Du gelesen?

Strunzheinz, Du bist...

...ein Hohlkopf

...ein Psychopath

...ein Muffin

...ein

, weil:

Appetit bekommen? Wir haben ihn exklusiv: den Muffin zur Geschichte