Die Vereinsgründung

Hier ist, worauf alle gewartet haben:

Die neunte Muffingeschichte von unserem Starautor Strunzheinz

Eigentlich mag ich Vereine, egal welche Art, überhaupt nicht. Vielleicht liegt das daran, dass ich in meiner kurzen Karriere als junge aufstrebende Lokalreporterin  Stammgast bei diversen Jahreshauptversammlungen der unterschiedlichsten Vereine gewesen bin. Anfangs hat es mich damals wirklich noch interessiert, wie viele grobe Rindswürstchen beim Grillfest der Singfreunde  Bösgesäß e.V. von der Jugendabteilung verdrückt wurden, aber irgendwann- so ungefähr nach meiner 67. Jahreshauptversammlung- weckten derart brisante Details meine Neugier plötzlich nicht mehr. Seitdem stehe ich  Vereinen meist skeptisch gegenüber. Ungeschlagen auf Platz Nr.1 meiner Vereinsantipathieliste liegt übrigens der „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“. Neulich fiel mir zufällig eine von seinen Mitgliedern initiierte Unterschriftenaktion gegen Anglizismen ( Denglisch) in der deutschen Sprache in die Hände. Ohne zu zögern verweigert ich meine Unterschrift, schließlich zählen Wörter wie „Dinks“ oder „Key Account Manager“ zu meinen absoluten Lieblingswörtern. Ohne solche Wörter wäre mein Leben einfach öde, trostlos und leer.

Bei all meiner Abneigung gegen bestimmte Vereine gibt es allerdings einen, den ich nach seiner Gründung in allen Belangen mit ganzem Herzen unterstützen werde. „Den Verein zur streng hygienischen Trennung im Kühlschrank aufzubewahrender Lebensmittel“ kurz auch „Verein der Freunde und Förderer von ehrenamtlichen Kühlschrankhygienepolizisten“ genannt. Als meine Schwester erstmals den Gedanken der Gründung dieses Vereins äußerste, war ich fest entschlossen, diesen Firlefanz nicht mitzutragen.

Es war an einem Samstag um 7:53 Uhr. Wie gewöhnlich schlief ich noch tief und fest- was bei dieser Uhrzeit wohl niemanden verwundern mag- als plötzlich ein gellender Schrei durchs ganze Haus drang. Erst fürchtete ich der unerträgliche Laut sei die Reaktion meiner Mutter auf den Wunsch meines Vaters, es möge zum Abendessen Tiefkühlkartoffelpuffer geben. Was sich wirklich ereignet hatte, erfuhr ich, als ich schnellstmöglich – noch schlaftrunken – in die Küche taumelte. Vor dem Kühlschrank stand meine Schwester, die in der einen Hand eine aufgeschnittene Gelbwurst, in der anderen einen Gummi und ein  Stück Klarsichtfolie hielt. „Irgendjemand“ fauchte sie mich an „hat die Gelbwurst nicht richtig im Kühlschrank aufbewahrt“. Die Folie hat nicht die ganze Aufschnittkante bedeckt und der Gummi war total verrutscht.  Von der Wurst esse ich nichts mehr !“ So albern ich dieses Verhalten fand, so konsequent blieb meine Schwester tatsächlich in ihrer Absicht. Nichts desto trotz fand die Gelbwurst ihren Abnehmer. Mein Schwager in spe bestrich sie zu Mittag mit Mayonnaise und  Senf und verspeiste sie dann am Stück.

Das nächste Mal, als meine Schwester wieder vom VzshTiKaL sprach, war ich von ihrem Vorschlag schon nicht mehr ganz so abgeneigt. Zu Mittag aßen wir Käse und ich hatte das  untrügliche Gefühl, dass sich in den sahnigen Geschmack des Butterkäses, in den ich gerade herzhaft biss, ein unangenehmer Nebengeschmack nach Harzer Roller gemischt hatte. In diesem Augenblick sah ich ein, dass der  Verein durchaus seine Berechtigung haben könnte. Endgültig überzeugt hat mich aber schließlich eine andere Begebenheit an einem Sonntag früh. Ich war gerade aufgestanden und freute mich schon auf ein Frühstück mit  Pfirsichmuffins. Genüsslich rührte ich mir meine Vanillemilch an, schnitt ein Stückchen des Pfirsichmuffins ab und steckte es in den Mund, als ich plötzlich eine so starke Übelkeit verspürte wie nie zuvor. Ich  schmeckte nicht etwa wie erhofft die locker-cremig geschlagene süße Sahne, mit der der Muffin dekoriert war, sondern............................................ ZWIEBEL!

Irgendjemand hatte im Kühlschrank neben den Muffins eine rohe halbe Zwiebel deponiert.

Sofort rannte ich ins Zimmer meiner Schwester  und besprach mit ihr unser weiteres Vorgehen bezüglich der Vereinsneugründung. Wir überlegten uns Konzepte für Satzungen, erste Treffen, Wahlrechtsbestimmungen für die Vorstandswahlen und die Finanzierung der Aufwandentschädigung von Kühlschrankhygienepolizisten. Wenn unser Verein irgendwann eine feste Größe in der Vereinslandschaft  sein wird, was bei unserem Engagement freilich passiert, planen wir übrigens schon die Gründung eines weiteren Tochtervereins „ Den Verein für strafrechtliche Verfolgung unsachgemäßer Muffinhaltung“.

 

Appetit bekommen? Wir haben ihn exklusiv: den Muffin zur Geschichte

Sagt doch dem Strunzheinz mal die Meinung zu dieser Geschichte:

Welche Geschichte hast Du gelesen?

Strunzheinz, Du bist...

...ein Hohlkopf

...ein Psychopath

...ein Muffin

...ein

, weil: