Sommerschlußverkauf

Hier ist, worauf alle gewartet haben:

Die dreizehnte Muffingeschichte von unserem Starautor Strunzheinz

Der Sommerschlussverkauf gehört zum Sommer wie der Winterschlussverkauf zum Winter. Der Besuch dieser beiden Großereignisse ist für mich jedes Jahr obligatorisch. So lasse ich es mir auch diesen Sommer nicht nehmen, die Kaufhäuser auf der Jagd nach supergünstigen Schnäppchen zu stürmen. Ich kaufe, Dinge, die ich eigentlich gar nicht brauche, aber die mich trotzdem zumindest  für den kurzen Moment an der Kasse glücklich machen. Ein Blick in meinen Kleiderschrank sagt mir, dass ich bei 25 luftigen Oberteilen nur 19 Sommerhosen besitze, ein Missverhältnis, das es auszugleichen gilt. Kaum  betrete ich das Kaufhaus, ist es wieder da dieses vertraute Gefühl: ich bin ganz heiß darauf meine Hände an allen möglichen Kleidungsstücken entlang fahren zu lassen. Kleiderständer mit  „Schnäppchen-Schnäppchenschildern“ üben seit jeher diese magische Anziehung auf mich aus. Ein modriger, mir gut bekannter Schweißduft steigt mir in die Nase. Ich atme tief durch, zähle langsam rückwärts von 10 bis 0 und stürze mich in die Mengen kaufsüchtiger, alter, junger kleiner, großer, dicker, dünner, blonder, brauner, roter, schwarzer, professioneller und amateurhafter Schnäppchenjäger ausgestattet mit den verschiedensten  Verteidigungsgerätschaften von der Basisgrundausstattung Ellenbogen bis hin zu überdimensionierten Handtaschen und Stockschirmen. Zielstrebig steuere ich mit meinem Wagen zu einer Garderobe. „Markenhose jugendlich  9.99 Euro“ steht dort geschrieben. Klingt gut, vielleicht vermag ja eine jugendliche Hose von meinem nicht mehr allzu jugendlichen Aussehen abzulenken. Warum steht nur ausgerechnet vor meiner Größe eine Kundin und  macht mein Durchkommen dorthin unmöglich? Nicht, dass ich was gegen die gut sichtbare  rosa Blümchenunterhosen unter einem weißen Rock hätte, die die sperrige Person trägt...   Ich bin tolerant gegenüber anderen Modeauffassungen. Nein trotzdem, diese Person muss eliminiert werden. Ich trete ihr mit meinen spitzen Absätzen auf die nackten Füssen, die in goldberiehmten Sandalen stecken. „Aua“ schreit sie und springt recht unelegant zwar aber doch weit genug beiseite. Schnell nehme ich ihren Platz ein. „Entschuldigung“ flöte ich zuckersüß, dann wende ich mich ungeachtet der Proteste der geblümten Unterhose den Angeboten zu. Nicht schlecht die Hosen, ich packe 11 Modelle in meinen Einkaufswagen und arbeite mich zur Schlange vor den Umkleidekabinen vor. Leider kann ich die Schlange nur um eine Frau verringern, der ich versichere, dass sie sich bei ihrer Figur nicht schämen müsse, den anvisierten Rock öffentlich anzuziehen. So hätten alle was davon. Wir anderen Kunden was fürs Auge und sie müsse nicht mehr lange anstehen. Geschmeichelt nimmt sie meinen Vorschlag an und probiert einen recht geschmacklosen pinken Wickelrock mit schwarzer Lochstickerei vor meinen Augen. „Sehr schön“ lobe ich, sie  trägt ihn ob meiner gespielten Begeisterung zur Kasse und wirft mir dabei einen verschwörerischen Blick zu.

Während ich so in der Schlange stehe und gespannt mit mir um einen Schwarz-Weiss-Muffin wette, welche Hose mir wohl am besten stehen wird, beobachte ich wie ein junges Mädchen in Unterwäsche durch die Abteilung hüpft. Mutig Unterwäsche, bei der man sich nicht ganz sicher ist, ob man sie kaufen will, gleich einer ganzen Abteilung zu Hochbetriebszeiten zu präsentieren, denke ich. Zwischen Wickelröcken und Unterwäsche besteht meiner Meinung nach doch noch ein gehöriger Unterschied. Aber wie erwähnt, bin ich tolerant... Erst später als das Mädchen in besagter Unterwäsche die Abteilung verlässt, bemerke ich, dass es sich gar nicht um Unterwäsche gehandelt hatte, sondern um die Alltagskleidung des Mädchens. Endlich ist eine Kabine frei. Ich probiere zehn Hosen, jede  hat ein anders Manko: entweder in der Taille zu weit und an den Oberschenkeln zu eng, oder umgekehrt (wie das bei der gleichen Größe möglich sein kann, wundert mich seit längerem nicht mehr... ). Eine macht mich schwanger, was mir sicher viel Rücksichtnahme bei meinen Mitmenschen einbringen würde, aber so alt, dass ich das nötig hätte, bin ich doch noch nicht.... Eine andere betont meine Modellfüße unvorteilhaft, wobei ich es vorher nie für möglich gehalten hätte, dass diese Gefahr bestehen könne. Erst mit der elften Hose bin ich absolut zufrieden. Ich hänge sie über die Kabine und ziehe meine eigenen Beinkleider wieder an, dann bringe ich die zehn unpassenden Hose zum Ständer zurück. Als ich zu der Umkleide zurückkehre, ist diese besetzt und mein Schnäppchen wie vom Erdboden verschluckt. Nach kurzer Zeit trampelt die geblümte Unterhose aus meiner Kabine, betrachtet sich und mein Schnäppchen über ihren Beinen im Spiegel. Meine Entrüstung weicht Wut, ich trete neben die Diebin an den Spiegel. „ Ach, das Modell hatte ich vorhin auch an, aber ich nehme es lieber nicht. Ich werde jetzt nach Hause gehen und mir massenweise Schwarz-Weiss--Muffins genehmigen. Würde ich die Hose kaufen, säße sie nach meiner genussvollen Muffinorgie sicher fast so knapp wie bei Ihnen jetzt. Dann würde ich mich nur ärgern, sie gekauft zu haben“. Ich drehe mich um und gehe. Aus einem Versteck- hinter einem Ständer mit karierten Herrensakkos aus Polyester, beobachte ich, dass mein Plan Erfolg gebracht hatte. Die geblümte Unterhose hängt meine Beute wieder an ihren Platz. Geschwind rase ich zum Hosenständer und sichere mir die Hose. Überglücklich zahle ich an der Kasse. Erst zuhause merke ich, dass die Geblümte Unterhose wohl etwas unsanft mit meiner Hose umgegangen sein muss. Es fehlt der oberste Knopf, aber was soll’s? Jetzt esse ich erst mal ein, zwei, drei Muffins und danach hat mein Bauch in meiner neuen unbeknopften Hose gleich zusätzlich Bewegungsfreiheit .

 

Appetit bekommen? Wir haben ihn exklusiv: den Muffin zur Geschichte

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Strunzheinz, Du bist...

...ein Hohlkopf

...ein Psychopath

...ein Muffin

...ein

, weil: