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Der Auftrag:
Schreibe eine Muffingeschichte!
Der Versuch:
Eine Geschichte schreiben zu müssen, ist für mich schon schlimm genug. Dabei kann ich noch nicht einmal sagen, welches Wort größere allergische Reaktionen in mir hervorruft: “Geschichte” oder “schreiben”. Geschichte war in der Schule schon nicht mein Fall. Nein, ich sollte es anders formulieren. Eigentlich bin ich durchaus dazu geschaffen, in diesem Fach außergewöhnliche Leistungen zu erbringen , dummerweise hat das niemand außer mir bemerkt, am wenigsten noch meine Lehrer. Allzu oft mußte ich im Leben häufiger live und hautnah erfahren, wie sich ein verkanntes Genie fühlt, obwohl ich mir diese Erfahrung selbst lieber erspart hätte. Aber auch bei der bloßen Erwähnung des Wortes Schreiben stellen sich mir sämtliche meiner spärlichen Haare zu Berge, weil ich dann automatisch an meine eigene recht unästhetische Schrift denken muß. Ich habe ja wirklich schon alles versucht, sie zu perfektionieren. Ungelogen habe ich bestimmt Tausende von Graphologiebüchern gewälzt, mir Charaktereigenschaften herausgesucht, die ich gerne besäße und probiertmit einer neuen Handschrift, mir auch gleich eine neue Persönlichkeit anzueignen. Sobald ich dann aber gezwungen bin, schnell zu schreiben, werden all meine Bemühungen zunichte gemacht und ich verfalle wieder in alte Gewohnheiten. Meine Schrift ähnelt dann mehr und mehr den Kritzelversuchen eines Kindergartenkindes, vielleicht mit viel gutem Willen stellenweise auch denen eines Vorschulkindes.Damit ist hoffentlich klar geworden, was für mich also der Auftrag, eine Geschichte zu schreiben, bedeutet. Es mußte aber natürlich noch schlimmer kommen. Meine Schwestern verlangten doch tatsächlich nicht nur von mir, irgendeine Geschichte zu schreiben. Nein, eine Geschichte über Muffins sollte es sein. Wieso keine Geschichte über Waschbrettbäuche ? Erst vorgestern zum Beispiel habe ich einen Film mit Brad Pitt gesehen. Ein Bild von einem Mann, der hat vielleicht einen Waschbrettbauch, kaum zu glauben, da hat es mich gar nicht mehr gestört, daß er den Böse verkörpert hat. Nimmt man ihm doch sowieso nicht ab. Wer so schön ist, kann doch nicht böse sein. Können schöne Menschen überhaupt böse sein? Über diese Frage würde ich mich jetzt wesentlicher lieber auslassen. Meinetwegen auch zwei, vier oder fünfzig Seiten lang. Aber stattdessen wünschen sich die Damen eine Geschichte über Muffins. Muffins! Darüber schreibe ich nicht, die esse ich. In letzter Zeit sogar ziemlich häufig, weil meine Schwestern ständig neue Sorten am Fließband produzieren. Schon das Wort an sich klingt schon bescheiden. Ich kann es jetzt schon nicht mehr hören. Meinetwegen sollte es zum Unwort des Jahres 2000 gekürt werden und nicht nur des Jahres, nein des Jahrzehnts, besser des Jahrhunderts. Nicht mal in Ruhe schreiben kann ich hier, ohne daß wieder diese Küchengeräusche ins Arbeitszimmer dringen. Meine Schwestern sind schon wieder wie Besessene am Backen. Und was backen sie wohl ? Muffins, nichts als Muffins, diesmal mit doppelt Ahornsirup. O.k. ich gebe zu, so schlecht riechen sie nicht. Eigentlich riechen sie ganz angenehm, so als wären sie genießbar. Na gut schmecken tun sie auch. Aber das ist doch noch lange kein Grund, eine Ode an ein Muffin zu verfassen. Es gibt eben Dinge, über die spricht man lieber nicht, geschweige denn man schreibt darüber. Wenn ich Brad Pitt Auge in Auge gegenüberstehen würde oder vielleicht besser Bauch zu Bauch, würde ich doch auch nicht gleich herausposaunen, wie schön ich ihn finde. Dabei würde er nur eingebildet, und eingebildete Männer sind doch fast noch schwerer zu ertragen als Geschichten über Muffins. Was ich eigentlich damit ausdrücken möchte, ist doch, daß ich Muffins und Brad Pitt gleich behandle. Ganz getreu nach dem Motto: Genießen und dabei einfach nur schweigen !
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